Bitkom-Studie: Wie sieht Deutschland nach der Digitalisierung aus?

by Andreas Helios

Posted on 12-14-2015

Nahezu alle deutschen Unternehmen (96 Prozent) in wichti­gen Branchen sehen die Dig­i­tal­isierung für sich als **Chance **– nur für die wenig­sten ste­hen die Risiken im Vorder­grund. Das hat eine Umfrage im Auf­trag des Dig­i­talver­bands Bitkom unter 556 Unternehmen ab 20 Mitar­beit­ern ergeben, die let­zte Woche auf der Hub Con­fer­ence des Ver­ban­des vorgestellt wurde.

Sie unter­sucht auch für die Branchen Auto­mo­bil­bau, Banken, Medi­en, Phar­main­dus­trie und Touris­tik, wo die deutsche Wirtschaft in zehn Jahren – nach der erfol­gre­ichen Dig­i­tal­isierung – ste­hen wird? Die größte Zuver­sicht haben danach die Man­ag­er der Fahrzeugher­steller: 86 Prozent der Befragten sagen, dass ihre Branche im Jahr 2015 bei der Dig­i­tal­isierung in der Spitzen­gruppe (64 Prozent) oder sog­ar weltweit führend sein wird (22 Prozent).

Und das sind die wichtig­sten Dig­i­tal­trends in einzel­nen Branchen:

Bitkom - Deutschland nach der Digitalisierung

Weit­er Weg zur dig­i­tal­en Transformation

Doch bis diese Zukun­ftsvi­sio­nen Wirk­lichkeit gewor­den sind, liegt noch ein weit­er Weg vor der deutschen Wirtschaft. In den befragten Branchen betra­cht­en sich heute im Schnitt nur 37 Prozent der Unternehmen als Vor­re­it­er bei der Dig­i­tal­isierung. Bei der Mehrheit hapert es dage­gen noch bei der Umset­zung: 56 Prozent der Befragten sehen sich bei der Dig­i­tal­isierung eher als Nachzü­gler und weit­ere 8 Prozent hal­ten sich sog­ar für abgeschlagen.

Nach den Ergeb­nis­sen der Umfrage hat etwa die Hälfte der Unternehmen – zwis­chen 44 Prozent der Auto­her­steller und 57 Prozent der Touris­tik-Anbi­eter – eine zen­trale Strate­gie für unter­schiedliche Aspek­te der Dig­i­tal­isierung. Doch das reicht nach Ansicht des Dachver­ban­des nicht aus. Denn bei ein­er Veren­gung auf Einze­laspek­te der Dig­i­tal­isierung beste­he die Gefahr, die Entwick­lung grund­sät­zlich neuer Geschäftsmod­elle zu ver­nach­läs­si­gen.

Darüber hin­aus hät­ten aber viele Unternehmen überhaupt noch gar keine Dig­i­tal­strate­gie: In den Medi­en (34 Prozent) und in der Touris­tik (35 Prozent) sind es gut ein Drit­tel, in der Auto- und Phar­ma-Branche jew­eils ein Vier­tel (25 bzw. 27 Prozent) sowie im Bankensek­tor 17 Prozent.

Verän­derte Wet­tbe­werb­ssi­t­u­a­tion durch neue Herausforderer

Laut der Studie verän­dert sich für viele Unternehmen die Wet­tbe­werb­ssi­t­u­a­tion mit­tler­weile deut­lich. Über die Branchen hin­weg sagt etwa die Hälfte, dass Wet­tbe­wer­ber aus der Dig­i­tal­branche in ihren Markt drän­gen: Jew­eils 45 Prozent der Auto- und Phar­ma-Pro­duzen­ten, 53 Prozent der Banken und sog­ar 62 Prozent der Medi­enun­ternehmen. Fast zwei Drit­tel der Banken (65 Prozent) und gut die Hälfte der der Fahrzeug­bauer (54 Prozent) betra­cht­en große Unternehmen der Dig­i­tal­branche als Konkur­renz bei dis­rup­tiv­en Neuen­twick­lun­gen, die ihre Märk­te grundle­gend verän­dern, indem sie beste­hende Pro­duk­te oder Dien­ste ersetzen.

Hub Conference2

Die Bitkom-Ergeb­nisse wur­den auf der Hub Con­fer­ence vorgestellt.

Was behin­dert den dig­i­tal­en Wandel?

Bei der Frage nach den größten Hin­dernissen für die Dig­i­tal­isierung ist das The­ma Reg­ulierung in drei Branchen unter den bei­den wichtig­sten Hemm­nis­sen gelandet. So sagen 81 Prozent der Banken, dass Inno­va­tio­nen im Finanzbere­ich durch eine zu starke Reg­ulierung gebremst wer­den. Das Gle­iche gilt aus Sicht der Phar­ma-Unternehmen (61 Prozent) für das Gesund­heitssys­tem. Nach Ansicht der Auto­bauer fehlt es beim autonomen Fahren noch an einem rechtlichen Rah­men, zum Beispiel bei Haf­tungs­fra­gen. Die Medi­en-Man­ag­er bekla­gen an erster Stelle die man­gel­nde Zahlungs­bere­itschaft für dig­i­tale Inhalte (88 Prozent) und die Touris­tik-Man­ag­er fehlende IT-Experten in ihren Unternehmen (58 Prozent).

Die wichtig­sten Hand­lungs­felder für die Poli­tik sind über die Branchen hin­weg der Bre­it­ban­daus­bau (66 Prozent), Maß­nah­men gegen den Fachkräfte­man­gel (50 Prozent) und mehr Engage­ment bei der IT-Sicher­heit (47 Prozent). Eben­falls häu­fig genan­nt wer­den ein­heitliche Daten­schutzge­set­ze in Europa (38 Prozent) und die Förderung von Indus­trie 4.0 (29 Prozent). Die Dig­i­tal­isierung muss nach Auf­fas­sung des Bitkom als gesamt­ge­sellschaftliche Auf­gabe ver­standen wer­den, Start-ups seien bess­er zu fördern, der Bre­it­ban­daus­bau erfordere eine poli­tis­che Flankierung. Zudem gelte es, dig­i­tale Tech­nolo­gien erfol­gre­ich zu entwick­eln und zu vermarkten.

Topics: Digitale Transformation & Marketing, Digital EMEA

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