Mit Big Data das Bürger-Erlebnis verbessern
Behörden wie Wirtschaftsunternehmen stehen gleichermaßen vor wichtigen Herausforderungen, wenn es um das sinnvolle Verwenden von digitalen Informationen geht. Denn damit lässt sich nicht nur das Nutzererlebnis von Online-Angeboten ständig optimieren, sondern es können auch extrem schnell wichtige Erkenntnisse für die Politikgestaltung gewonnen werden.
Das ist an und für sich nichts Neues: Schon seit Jahrzehnten verbessern Bund, Länder und Kommunen so ihre Effizienz und treffen auf Grundlage von statistisch erhobenen Daten wichtige politische Entscheidungen. Momentan sucht die öffentliche Hand allerdings noch nach Wegen und Möglichkeiten, um das auch im digitalen Zeitalter erfolgreich zu tun. Datengesteuerte Einsichten (sprich: die Datenerhebung) sollten sich dabei mit attraktiven Bürger-Erlebnissen (sprich: eine optimale digitale Nutzererfahrung) verbinden.
Relaunch des ElsterOnline-Portals geht in die richtige Richtung
Beispiele gibt es auch in Deutschland zur Genüge. Nehmen wir etwa das ElsterOnline-Portal, ein Projekt der deutschen Steuerverwaltungen aller Länder und des Bundes zur Abwicklung der Steuererklärungen und Steueranmeldungen über das Internet. Mit anderen Worten: die elektronische Steuererklärung.
„Mit ElsterOnline können Sie nach einer kostenlosen Registrierung viele Steuerangelegenheiten direkt und bequem am Computer erledigen – ganz ohne Ausdruck, Formulare und Postversand“, heißt es hierzu auf elster.de. So weit, so gut. Doch die Klagen über die Benutzerfreundlichkeit des Portals rissen nicht ab, die Akzeptanz entwickelte sich nur langsam.
Ab heute – dem 25. Juli 2017 – soll das nun anders werden. Mit einem Relaunch des Portals verbessert sich die Benutzerfreundlichkeit deutlich. „Unser erster Eindruck: Die Website ist intuitiver zu bedienen als die alte. Dennoch sind noch nicht alle Probleme gelöst“, schreibt die Stiftung Warentest dazu.
Aber immerhin: Eine Personalisierung der Inhalte, ein klares Design und neue Funktionen sind ein Schritt in die richtige Richtung. Bei ihrer Arbeit am Relaunch berücksichtigten die Entwickler auch Beschwerden und Verbesserungsvorschläge von bisherigen Anwendern und ließen Testpersonen die Seite erproben. Über das Design konnten die Nutzer in einer Umfrage abstimmen.
Konsequente Analyse des Nutzerverhaltens bringt Vorteile
Eine konsequente Analyse des Nutzerverhaltens hätte vermutlich noch weitere wichtige Erkenntnisse gebracht. Etwa über Sackgassen in der Navigation, typische Abbrüche oder Probleme bei der Nutzung des Portals über bestimmte Webbrowser oder mobile Geräte. Auch auf kommunaler Ebene kann anhand von solchen Analysedaten das Bürger-Erlebnis weiter optimiert werden.
Viele städtische Webseiten bietet zahlreiche Informationen zu (fast) allen den Bürger betreffenden Themen. Online-Terminreservierungen mit einer Beschreibung des Anliegens beschleunigen die Fallbearbeitung, entlasten Mitarbeiter vor Ort und sparen den Bürgern Zeit. Doch nur, wenn die Customer Experience (in diesem Fall besser „Citizen Experience“) stimmt, werden solche Angebote auch tatsächlich genutzt und entfalten ihr mögliches Potenzial.
Ein positives Beispiel: Mit Hilfe des „Sag’s uns“-Portals in Köln können Anwohner die Stadtverwaltung über Probleme in ihrem Umfeld informieren – ganz gleich ob es sich um kaputte Straßen, abgestellten Müll oder defekte Ampeln handelt. Seit der Einführung Ende 2015 sind darüber rund 10.000 Mängel gemeldet worden.
Dies macht deutlich, dass die Bürgerinnen und Bürger der Domstadt auf ihr Lebensumfeld achten und Missstände melden, wenn ihnen dafür ein komfortabler und nutzerfreundlicher Online-Weg zur Verfügung steht. Was auch dazu beiträgt: Die zuständigen Fachdienststellen haben sich verpflichtet, innerhalb von zwei Arbeitstagen auf eine Mängelmeldung zu reagieren. Und zu allen Anliegen gibt es im Portal eine Statusanzeige zum Stand der Bearbeitung, was die Transparenz und das Nutzererlebnis massiv verbessert.
Big Data als Grundstein eines guten Bürger-Erlebnisses
Behörden sind mittlerweile an vielen Stellen gesetzlich verpflichtet, Informationen zu veröffentlichen und diese Inhalte leicht zugänglich zu machen. Das Nutzen von Online-Kanälen ist dabei ein effizienter, kostengünstiger und umweltfreundlicher Weg. Er kann aber auch Vertrauen in den öffentlichen Dienst aufbauen und gleichzeitig wertvolle Informationen über die Wünsche der Bürger einholen. Und an dieser Stelle kommt Big Data ins Spiel.
Wir bei Adobe haben bereits Wege gefunden, unsere eigenen Technologien zu nutzen und mit Hilfe von Big Data-Analysen Erkenntnisse zu gewinnen, die auch wichtige politische Konsequenzen nach sich ziehen können. 2016 riefen wir das Digital Economy Project (DEP) ins Leben und können nun mit Hilfe von Adobe Analytics Milliarden von anonymisierten Online-Transaktionen auswerten. Das ist die Basis für unseren monatlichen Digital Price Index (DPI), bei dem wir für die USA die Inflation in mehr als einem Dutzend Konsumausgabenklassen erfassen können.
Unsere Zusammenarbeit mit Behörden wird ausgebaut
Diese Arbeit hat auch Regierungsstellen in den USA und Großbritannien aufhorchen lassen. Sie sind an einer Ergänzung ihrer eigenen Daten interessiert, um ein vollständigeres Wirtschaftsprofil in noch kürzerer Zeit erstellen zu können. Politische und ökonomische Ereignisse können ganze Märkte bewegen, da werden Echtzeitdaten zu einem unabdingbaren Beitrag der eigenen Politikgestaltung.
Seit mehr als einem Jahr schon analysieren wir Inflationsraten für Waren und Dienstleistungen, die online in den USA gekauft wurden. So geben wir der Öffentlichkeit sowie Interessenten in Wirtschaft, Hochschulen und Regierungskreisen frühzeitig Hinweise auf aktuelle Preisentwicklungen, die sich auf die ökonomische Lage auswirken können. Nun planen wir, weitere Kategorien zu untersuchen und unsere DPI-Methodik rund um den Globus auch in anderen Staaten einzusetzen.
Für die öffentliche Hand gilt es weltweit beim Erheben und Nutzen großer Datenmengen, die zur Verbesserung des Bürger-Erlebnisses beitragen können, noch einige Hürden zu überwinden. Aber das geht den Unternehmen in der Privatwirtschaft nicht anders. Voneinander zu lernen und Erfahrungen zu teilen ist daher ein sehr guter Weg, um hier gemeinsam voranzukommen.