Wie die Blockchain funktioniert und wo ihr Potenzial für Marketing liegt

Bitcoin und die Blockchain dürften zu den größten Buzzwords des letzten Jahres gehören, doch viele wissen gar nicht so recht, was die beiden Begriffe wirklich bedeuten und wie sie zusammenhängen. Zeit das zu ändern und die Möglichkeiten von Kryptowährungen und Blockchains aufzuzeigen.

Wie die Blockchain funktioniert und wo ihr Potenzial für Marketing liegt

by CMO.com Team

Posted on 06-01-2018

Spätestens im letzten Jahr dürfte wohl jeder mitbekommen haben, dass Cryptowährungen wie Bitcoin keine Nische mehr, sondern in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind. Das Handeln mit den Coins geht mittlerweile für jeden ganz einfach per Smartphone-App wie Coinbase und auch der internationale Finanzmarkt mischt kräftig mit, darunter die Technologiebörse Nasdaq.

Die Technologie Blockchain, die den Coins oder genauer gesagt Tokens zugrunde liegt, ist aber das eigentlich Interessante und der Grund, warum die digitalen Währungen letztes Jahr zeitweise mehr als 20.000 US-Dollar wert waren, wie beispielsweise Bitcoin. Aber was genau macht Blockchains so besonders? Und wie hängen sie mit Cryptowährungen zusammen? Im Grunde ist es gar nicht so schwierig.

Warum heißt es eigentlich Blockchain?

Eine Blockchain kann man sich etwas vereinfacht vorstellen, wie eine Datenbank oder eine Excel-Tabelle. Jedes Mal, wenn jemand eine App in einer Blockchain nutzt und beispielsweise eine Überweisung tätigt, einen Vertrag digital unterzeichnet oder eine Bestellung durchführt, wird das gespeichert. Dies nennt man Transaktion und im Grunde funktioniert das Internet von heute nach dem gleichen Prinzip. Der Unterschied ist, dass diese Transaktionen heute auf den Servern der Anbieter, Mail-Provider oder auch staatlichen Institutionen gespeichert werden, beispielsweise die elektronische Steuererklärung bei Elster.

Eine Amazon-Bestellung ist also in Datenbanken auf Amazons Servern gesichert, eine Banktransaktion der Deutschen Bank im entsprechenden Rechenzentrum. Diese zentrale Speicherung ist der fundamentale Unterschied zu Blockchains. Hier wird die Transaktion dezentral gespeichert, das heißt bei allen Mitgliedern der Blockchain. Beispielsweise sind alle, die ihre Bitcoins auf ihrem Computer oder dem Smartphone speichern Teil der Blockchain und speichern und aktualisieren diese “Datenbank” auf ihrem Gerät.

Jedes mal, wenn eine neue Transaktion von jemandem getätigt wird, wird diese Änderung in einen Block geschrieben und an den vorherigen Block gehängt. Diese Aneinanderreihung von Blöcken ergibt dann den Namen Blockchain: eine lange Kette von Blöcken, die sämtliche Transaktionen für immer speichern. Ein Block speichert dabei mehrere Transaktionen, wobei die Größe je nach Netzwerk unterschiedlich ausfällt. Und da Tausende und Millionen von Menschen Teil der Blockchain sein können, verifiziert das Netzwerk alle Transaktionen selbst, aber dazu später mehr.

Wozu braucht es Cryptowährungen bei Blockchains?

Bei den einzelnen „Kettenglieder” der Blockchain kommt die Kryptowährungen ins Spiel. Die wohl bekannteste dürfte Bitcoin sein, aber auch Litecoin, Ether, Ripple oder Monero dürfte der eine oder andere schon Mal gehört haben. Jede der Währungen, von denen es mittlerweile hunderte gibt, ist im Grunde die Belohnung dafür, wenn jemand einen neuen Block errechnet hat. Dieser ist nämlich anfangs verschlüsselt und muss durch einen Hash entschlüsselt werden. Also in etwa so, wie wenn man mit einem Bund mit Millionen von Schlüsseln vor einer verschlossenen Kiste steht und nach und nach jeden ausprobiert. Dieses Prozedere nennt man Mining.

Um einen Block zu minen, also nach und nach verschiedene Schlüssel auszuprobieren, die den Block nutzbar machen, braucht es Rechenleistung. Diese kann durch den Prozessor eines Computers oder die tausende Grafikprozessoren einer Grafikkarte bereitgestellt werden. Diese probieren dann auf höchster Leistung den richtigen Code beziehungsweise Hash für den Block zu finden. Haben sie das geschafft, wird der leere Block Bestandteil der Blockchain und kann mit Transaktionen beschrieben werden. Als Belohnung für die zur Verfügung gestellte Rechenleistung erhält der Miner dann einen gewissen Anteil der Kryptowährung der Blockchain, also beispielsweise einen Bitcoin, Ethereum oder einen anderen Token.

Lässt man die technische Komplexität außen vor, ist das im Grunde die Funktionsweise von Blockchains: Miner errechnen den Code um einen Block zu entschlüsseln und werden nach Abschluss mit digitalen Coins belohnt. Der Block wird an die Blockchain angehängt, kann mit Transaktionen befüllt werden und diese werden von allen Mitgliedern auf ihre Richtigkeit geprüft. Und genau diese Verifizierung und die dezentrale Natur von Blockchains ist es, die die Technologie so interessant machen. Denn sie kann in allen Branchen zum Einsatz kommen, die durch IT-Systeme gestützt sind.

Zahlreiche Branchen verwenden die Blockchain bereits

Denn auch wenn sich die Idee hinter Blockchains ein wenig wie Zukunftsmusik anhört, ist die Technologie vor allem bei internationalen Unternehmen bereits im Einsatz. Allen voran die Finanzindustrie, die unter anderem RippleNet nutzt, um Transaktionen innerhalb von Sekunden durchzuführen. Ganz gleich ob Überweisungen oder komplexe Finanzanweisungen, die automatisiert erfolgen oder ausgeführt werden, wenn bestimmte Ereignisse eintreten. Da jede Blockchain für bestimmte Dinge optimiert werden kann, haben sich die Entwickler von RippleNet auf die Abwicklung von Finanztransaktionen spezialisiert und somit ein Netzwerk geschaffen, das klassische Herausforderungen in dem Bereich angeht.

Geldanweisungen werden in Sekunden oder Minuten abgewickelt und nicht mehr in Tagen, die Transaktionsgebühren sind deutlich niedriger und theoretisch gibt es keinerlei Ausfälle oder nicht durchgeführte Geldtransaktionen mehr. Die lückenlose Natur der Blockchain, dass alle Anweisungen gespeichert werden, nachdem sie ausgeführt worden sind, hat die Technologie für Banken enorm interessant gemacht. Sie kommt mittlerweile bei vielen internationalen Instituten zum Einsatz, beispielsweise Santander, UniCredit, American Express oder MoneyGram.

Auch Automobilhersteller der sich im digitalen Umbruch befindlichen verarbeitenden Industrie nutzen bereits Blockchains zur Abwicklung von Teilprozessen. Hier nutzt die Branche die Technologie, um von der Anlieferung von Material und Bauteilen bis zur Produktion von Fahrzeugen am automatisierten Förderband alle Einzelschritte digital nachverfolgbar zu machen. Auch ein Aspekt, der von Logistikunternehmen geschätzt wird.

Blockchains werden auch für das Marketing wichtig

Von den klassisch eher von IT-Systemen abhängigen Branchen abgesehen, lassen sich Blockchains jedoch in nahezu allen Branchen nutzen. Sogenannte Smart Contracts, die in der sehr vielseitigen Ethereum-Blockchain liegen, erlauben es beispielsweise bestimmte Dinge ausführen zu lassen, wenn etwas Bestimmtes passiert. Was genau ausgeführt wird, kann von jedem eingesehen werden, da jeder Teil der Blockchain ist und somit Einsicht in den entsprechenden Programmcode hat.

Manipulationen sind also ausgeschlossen und es kann somit keine fingierte Geldüberweisung oder das Abgreifen von sensiblen Daten von einer unbefugten Stelle erfolgen. Denn jedes Mitglied im Netzwerk bestätigt die Durchführung eines solchen Smart Contracts und kann gleichzeitig automatisch prüfen lassen, ob dieser in Ordnung ist. Wenn mindestens 51 Prozent der Mitglieder der Blockchain die Transaktion verifizieren, hat alles seine Richtigkeit. Ein Hackerangriff oder die Manipulation von Eingaben ist also nahezu unmöglich.

Zahlreiche Branchen könnten von dieser hohen Sicherheit und den universellen Möglichkeiten profitieren, darunter auch Marketingunternehmen. Längerfristig gesehen Privatpersonen mit genau der Werbung erreicht werden, deren Empfang sie explizit zugesagt haben. Die Algorithmen, die heute zum Targeting genutzt werden, könnten somit obsolet werden und gleichzeitig dafür sorgen, dass Konsumenten den Unternehmen wieder mehr vertrauen, wenn sie weniger von irrelevanter Werbung, als von gezielten Botschaften angesprochen werden. Hierzu zählt auch der Umstand, dass jedes Mitglied der Blockchain hundertprozentige Kontrolle über seine persönlichen Daten hat.

Die Zukunft des Internets heißt Blockchain

In diesem Jahr wird es spannend zu sehen sein, welche Blockchain-Lösungen die Unternehmen entwickeln, die das Fundament für die Zukunft des Internets und am Ende der Gesellschaft mit sich bringen werden. Denn die Möglichkeiten sind hier tatsächlich unzählig. Der der Startschuss für die zweite Generation des Internets, wie es der Digital Strategist Dom Tapscott in seinem TED-Talk formuliert hatte, ist gefallen. Es ist etwa so wie zu den Anfängen der Cloud: Niemand wusste damals so recht um das Potenzial und heute würde die Welt wohl nicht mehr ohne sie funktionieren.

Topics: Experience Cloud, Einblicke und Inspiration, Digitale Transformation & Marketing, Information Technology, CMO by Adobe

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