Arbeiten wie die Großen: Wie die Schülerfirma martinum.media praktische Berufseinblicke vermittelt

Schülerinnen und Schüler am Gymnasium Emsdetten gründen ihre eigene Schülerfirma, um sich mit Kreativkompetenzen fit fürs Berufsleben zu machen.

By Adobe Communications Team

Posted on 04-06-2021

Kreative Kompetenz ist im Berufsleben essentiell. Dazu gehört nicht allein der Umgang mit Kreativ-Tools, sondern auch die Fähigkeit, Herausforderungen flexibel zu begegnen. Doch im regulären Schulalltag ist die Zeit für derlei praktische berufsvorbereitende Kompetenzen oft knapp. Die Schülerinnen und Schüler am Gymnasium Martinum in Emsdetten haben deshalb ihre eigene Schülerfirma, martinum.media, gegründet. Heute, drei Jahre später, läuft das Projekt so erfolgreich, dass die Kinder und Jugendlichen bereits über eine Zweigstelle nachdenken. Doch der Reihe nach!

Daniel Peitz, Lehrer am Gymnasium Martinum in Emsdetten, begleitet das Projekt seit dem Start im Jahr 2017. Im Interview erzählt er uns, wie alles angefangen hat, wo die großen Herausforderungen liegen und wie Medienkompetenz in der Schülerfirma umgesetzt wird.

Herr Peitz, was hat es mit martinum.media auf sich?

Der Grundgedanke ist, Schülerinnen und Schülern zu ermöglichen, ihre eigenen praktischen Erfahrungen in drei Feldern zu machen: Journalismus, Mediengestaltung und Unternehmensführung. Nach den zwei pädagogischen Prinzipien der Eigenverantwortung und des Learning by Doing erwerben sie in der Schülerfirma ihre ersten grundlegenden Kompetenzen in den genannten drei Bereichen. Dazu gehört auch die Arbeit mit verschiedenen Creative Cloud-Anwendungen.

Eine Oberstufenschülerin arbeitet mit Adobe InDesign an der Jahresschrift des Martinums

Die Schülerinnen und Schüler erstellen beispielsweise Podcasts mit Adobe Audition, setzen Filmprojekte mit Adobe Premiere Pro um oder erstellen Informationstafeln, Plakate sowie die Jahresschrift des Martinums in Adobe InDesign.

Ein Podcast, den die Schülerinnen und Schüler für den Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten im Schuljahr 2018/19 erstellt haben, ist mit einem Sonderpreis der WDR-Reaktion Zeitzeichen ausgezeichnet worden. Doch martinum.media ist mehr als eine Kreativschmiede, es ist eine eigenständige kleine Firma. Neben der Medienkompetenz sind deshalb auch buchhalterische Fähigkeiten und Projektmanagement Teil der Arbeit. Die Schülerinnen und Schüler setzen nicht nur schulinterne Projekte um, sondern nehmen auch externe Aufträge an. Sie führen also ein eigenes Konto, müssen das Budget verwalten und beispielsweise entscheiden, ob und welches Equipment neu gekauft werden kann.

Aktuelle Geschäftsführung der Schülerfirma martinum.media, v. l. n. r. Kaya Pieper, Theo Blaesse und Merit Kloppenborg

Das klingt spannend. Wie sind Sie auf die Idee für die Schülerfirma gekommen?

Dass sich ein solches Unternehmen entwickeln würde, hätte ich am Anfang gar nicht gedacht. Los ging es eigentlich mit den Projekttagen am Martinum im Sommer 2017. Die Schülerinnen und Schüler meiner Projektgruppe wollten gerne „was mit Fernsehen“ machen – doch ich hatte schon Mitglieder des Studentenradios Q aus Münster angefragt. Die sind dann mit einem mobilen Studio angerückt und an jedem der drei Projekttage musste am Ende eine 20-minütige Sendung für die Schulhomepage fertig sein. Ohne große Reporter-Erfahrung, aber mit dem Aufnahmegerät bewaffnet, ging es zum Beispiel ins Freibad, um dort eine kleine Reportage über Turmspringerinnen und Turmspringer des Sportprojektes zu produzieren. Zurück im Studio wurde die Schulleiterin interviewt, das Musikprogramm musste passend zusammengestellt werden und die Schülerinnen und Schüler mussten sich auch kleine Zwischenmoderationen überlegen. Die Ergebnisse sind hier zu hören.

Die Kinder und Jugendlichen hatten so viel Spaß an der Radio-Arbeit, dass wir uns als Schule dachten: Warum machen wir da nicht ein dauerhaftes Projekt draus? Wir haben dann die Erstellung der Jahresschrift mit eingebunden, die Schulleitung hat einen eigenen Raum zur Verfügung gestellt und ein Konto wurde eröffnet. Von der Schule, aber auch von außen, kamen dann die ersten kleinen Aufträge. Ein entscheidender Schub war sicher auch, dass unser stellvertretender Schulleiter Olaf Cimanowski uns für den Adobe Wettbewerb „Deutschlands digitalste Schule“ angemeldet hat – als Gewinnerteam haben wir Adobe Creative Cloud-Lizenzen gewonnen und für die Schülerfirma eingesetzt.

Wie sind Sie das Projekt angegangen? Was können Sie anderen Schulen raten, die ähnliche Projekte umsetzen wollen?

Tatsächlich liegt die Herausforderung gar nicht einmal darin, teure Technik anzuschaffen. Wir haben am Anfang mit Leihgaben der Landesanstalt für Medien NRW gearbeitet. Wichtig ist auf der einen Seite, die Unterstützung der Schulleitung zu haben. Auf der anderen Seite ist das Vertrauen in die Schülerinnen und Schüler wichtig, sie Dinge auch mal ausprobieren zu lassen und ihnen das Gefühl zu geben, dass sie Fehler machen dürfen, um aus diesen zu lernen. Oft trauen sich die Verantwortlichen nicht, Kindern und Jugendlichen die nötigen Freiheiten zu geben – da kommen dann Argumente wie „Wir können den Schülerinnen und Schülern doch nicht einfach eigene Raumschlüssel geben, die machen doch alles kaputt“ oder „Ein Auftrag über 1.000 Euro, das schaffen die doch gar nicht“. Zugegeben: Unser erster externer Auftrag ist wirklich schiefgegangen. Der Auftraggeber hat kein detailliertes Briefing zusammengestellt, sondern den Schülerinnen und Schülern freie Hand gelassen. Die haben dann ein kurzes Musikvideo produziert – und am Ende stellte sich heraus, dass der Auftraggeber sehr wohl konkrete Vorstellungen des Endergebnisses hatte. Aber genau das war ein gutes Learning für die Schülerinnen und Schüler. Bei neuen Aufträgen haken sie nun ganz genau nach, wenn das Briefing nicht eindeutig ist. Natürlich funktioniert so eine Schülerfirma nicht völlig reibungslos, doch die Schülerinnen und Schüler lernen mit jedem Auftrag dazu. Als Pädagoge ist es toll, die Entwicklung der jungen Medienschaffenden miterleben zu können.

Wie funktioniert die Arbeit mit den Kreativ-Programmen? Fällt es den Schülerinnen und Schülern leicht, die Anwendungen einzusetzen?

Die Schülerinnen und Schüler haben einen sehr intuitiven Zugang zu digitalen Tools. Selbst wenn sie nicht wissen, wie etwas funktioniert – mit ein bisschen Ausprobieren oder einem YouTube-Tutorial bringen sie sich vieles sehr schnell selbst bei. Gerade dieses Ausprobieren hilft Kindern und Jugendlichen auch generell dabei, kreative Problemlösungsstrategien zu entwickeln. Das funktioniert sogar so gut, dass die Schülerinnen und Schüler mitunter mehr Tricks draufhaben als wir Lehrerinnen und Lehrer.

Wie läuft die Business-Seite ab? Haben die Schülerinnen und Schüler hier einen ähnlich intuitiven Zugang?

Sagen wir es einmal so: Die Kreativ-Seite lief von Anfang an ziemlich gut, die geschäftlichen Rahmenbedingungen erfordern ein bisschen mehr Übung. Wir hatten beispielsweise ein Projekt, in dessen Rahmen wir ein Video für eine öffentliche Behörde drehen sollten. Der mit der Projektleitung betraute Schüler hat die Kommunikation jedoch schleifen lassen: Die Kundenseite hat den Auftrag erteilt, der Projektleiter hat diesen allerdings nicht an die Geschäftsführung der martinum.media weitergeleitet. Die anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben dann entschieden, ihm die Projektleitung zu entziehen – Kinder und Jugendliche sind da zum Teil viel kompromissloser als Erwachsene (lacht). Diesen Fehler mussten die Schülerinnen und Schüler dann aber auch gegenüber dem Kunden kommunizieren. Ein Klassiker ist auch, dass die Schülerinnen und Schüler einmal beim Kunden anrufen und den Faden, wenn dort niemand abhebt, nicht wiederaufnehmen. Dass man auch eine Nachricht hinterlassen und um Rückruf bitten oder noch einmal eine E-Mail schreiben – und die anderen Projektmitarbeiterinnen und -mitarbeiter in CC nehmen kann –, ist für viele Neuland. Als Erwachsener hält man diese Sachen für absolut selbstverständlich. Doch woher sollen die Kinder diese Dinge wissen? Deshalb ist es uns auch so wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler selbst Verantwortung in der Firma übernehmen. Es geht eben nicht nur um die sichere Anwendung der Tools, sondern auch um die vielen Kleinigkeiten, auf die es im Berufsleben ankommt. Generell lernen die Schülerinnen und Schüler aber auch hier sehr schnell dazu.

Was hat Sie in der Zusammenarbeit mit den Schülern und Schülerinnen am meisten überrascht?

Wir denken oft: Schülerinnen und Schüler sind Digital Natives, die bewegen sich ganz selbstverständlich in der Online-Welt. Und in Bezug auf Social Media oder die konkrete Anwendung der Kreativ-Programme stimmt das auch weitestgehend. Lücken gibt es eher in Bezug auf die virtuelle Etikette, da passieren z. T. die tollsten Dinge: E-Mails ohne Betreffzeilen, Praktika-Anfragen über Facebook. Viele Schülerinnen und Schüler können beispielsweise auch kein Word-Dokument in ein PDF konvertieren. All diese Bausteine sind jedoch ungemein wichtig, denn im Beruf werden diese Fertigkeiten vorausgesetzt. Ich denke, das sind Kompetenzen, die ganz grundsätzlich auf den Lehrplan gehören sollten – auch abseits einer Schülerfirma.

Wo geht die Reise für martinum.media hin?

Wir wünschen uns, dass das Projekt weiterwächst. Deshalb bemühen wir uns nicht nur bei uns am Martinum um Nachwuchs. Wenn die Abiturientinnen und Abiturienten gehen, sollte ihr Wissen an die nächste Generation weitergegeben werden. Wir haben zudem kürzlich an der Challenge der Initiative StartupTeens teilgenommen und unsere Geschäftsidee eingereicht: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der martinum.media wollen Schülerinnen und Schülern anderer Schulen ihr Wissen vermitteln und ihnen dabei helfen, eigene Schülerfirmen aufzubauen. Gewonnen haben wir die Challenge leider nicht, doch der Plan ist damit natürlich nicht begraben. Aktuell überlegen wir, ob wir eine Zweigstelle an einer weiteren Schule in Emsdetten einrichten können.

Das klingt nach einem tollen Plan! Vielen Dank für das Interview, Herr Peitz, und viel Erfolg weiterhin für martinum.media!

Weitere Informationen – Adobe im Unterricht

Die Arbeit mit Creative Cloud-Programmen ist in mehrfacher Sicht sinnvoll: Schülerinnen und Schüler benötigen im Berufsleben die Kompetenz, die entsprechenden Tools sicher anzuwenden. Gleichzeitig erlaubt die Arbeit mit Kreativ-Programmen auch ein hohes Maß an Eigenständigkeit. Kommen dann noch grundlegende Geschäftskenntnisse hinzu, sind Schülerinnen und Schüler optimal für ihre berufliche Laufbahn vorbereitet.

Doch nicht nur Schülerinnen und Schüler, auch Lehrkräfte wünschen sich praktische „Hands on“-Beispiele – gerade jetzt, da das Thema digitale Tools im Unterricht immer wichtiger wird. Im Rahmen der Adobe Abendschule stellen Expertinnen und Experten Lehrenden spannende Ideen und jede Menge Inspiration für ihre Unterrichtsgestaltung vor.

Welche technischen und rechtlichen Voraussetzungen muss eine Schülerfirma erfüllen? Wie macht sich unsere Schülerfirma einen Namen? Auf welche Herausforderungen muss ich mich einstellen? Wie der Aufbau einer kreativen Schülerfirma mithilfe von Adobe Creative Cloud gelingt, erzählt Daniel Peitz im Detail in der Adobe Abendschule-Session am 14. April 2021hier geht es zur Anmeldung!

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