Ästhetik in stürmischen Zeiten: Die Adobe Stock Design Trends 2021

By Irene Malatesta

Posted on 06-16-2021

Das vergangene Jahr war, man muss es so sagen, belastend. Und auch wenn die Nachwehen noch immer spürbar sind, wir finden: Es ist höchste Zeit für eine runde Mischung aus explosiven Farben, ikonischen Formen und idyllischem Eskapismus. Nachdem wir euch im Rahmen der Creative Trends 2021 bereits eine kurze Übersicht gegeben haben, stellen wir euch heute die Design Trends des Jahres 2021 im Detail vor.

Fotos, Illustrationen, Vektorgrafiken, Design- und Motion Graphic-Templates oder 3D Artworks – mit mehr als 150 Millionen Assets sitzen wir bei Adobe Stock in puncto Trends direkt an der Quelle. Natürlich schauen wir auch über den Tellerrand und beobachten genau, welche Ästhetik auf Behance, Pinterest oder Instagram besonders beliebt ist und welche Begriffe und Stile die Suchanfragen dominieren. Aus diesen Insights destillieren wir für euch die vier prägenden Trends des Jahres.

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Austere Romanticism

Nostalgie ist immer auch eine Idealisierung der Vergangenheit. „Austere Romanticism“ überhöht schweißtreibende Notwendigkeiten des einfachen Lebens – Brot von Hand backen oder Gärten in Handarbeit pflegen – zu einer romantischen Ursprünglichkeit. In der pastoral geprägten Ästhetik triumphiert Tradition über Moderne, einfaches Landleben über hippe Urbanität, siegen Blumen über Beton. Neu ist das nicht: Bereits Marie Antoinette versuchte in der stilisierten Idylle ihres Petit Trianons dem strengen Zeremoniell Versailles‘ zu entkommen.

Hinter dieser Sehnsucht nach der Ästhetik eines Jane Austen Romans steht die Überforderung der Moderne, die durch die COVID-19-Pandemie noch einmal an Fahrt aufgenommen hat. In den sozialen Netzwerken prasseln Informationen und Nachrichten im Sekundentakt auf uns ein, wer sollte uns da einen Hang zum Eskapismus verdenken? Dennoch verbietet es sich, Einfachheit mit einem einfachen Gemüt gleichzusetzen. Wenn wir Lärm, Ablenkung und Dauerreize des Stadtlebens hinter uns lassen, wird der Blick auf das Wesentliche frei. Und welches Setting würde sich dafür besser eigenen als Bibliotheken ledergebundener Folianten und liebevoll gepflegte Wintergärten?

Galerie: “Austere Romanticism”

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Vintage Vaporwave

Die 90er sind zurück! Was sich mit dem Design Trend „Modern Gothic“ sowie dem Motion Trend „Neon Glow“ bereits angekündigt hat, erreicht mit „Vintage Vaporwave“ dieses Jahr in der Ästhetik der Anfangszeiten des Internets seinen Höhepunkt.

Der Clou: Je rasanter sich die Technologie weiterentwickelt, desto stärker rückt das Design der Anfangszeit in den Fokus. Bestes Beispiel: bunte, Cartoon-artige Sticker in sozialen Netzwerken und Messenger Apps. Die korrespondierenden Farbpaletten tun ihr Übriges: „Weniger Cyberpunk, mehr Y2K“, kommentiert Shea Molloy, Leiterin Vektorgrafiken und Illustrationen bei Adobe Stock die Dominanz der Pastellfarben im Kontrast zur düsteren Ästhetik des „Modern Gothic“.

Genau diese Pastellfarben geben „Vintage Vaporwave“ seinen Sinn für Humor. Verspielte Grafiken, Reminiszenzen an Technologien, die aus heutiger Sicht der Steinzeit zu entstammen scheinen, sind – ähnlich der Rückbesinnung auf das einfache Landleben – eine Hommage an Zeiten, in denen das Leben einfacher, verspielter zu sein schien. Beispielhaft dafür sind auch zahlreiche Mobile Games wie „Among Us“ mit ihrer augenzwinkernden Mischung aus Old-School-Grafik und -Musik, unbeschwertem Humor und Faux-High-Tech-Setting.

Galerie: “Vintage Vaporwave”

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Psych Out

Spätestens jetzt sollte euch ein Muster ins Auge gefallen sein. Eskapismus ist das bestimmende Element der diesjährigen Design Trends. „Psych Out“, die farbintensive, überbordende Antwort auf die allgegenwärtige Ästhetik des Minimalismus, setzt dafür – quasi als maximalistischer Kontrast zu „Austere Romanticism“ – auf das Motto „je mehr, desto besser“. Was auf den ersten Blick stark an die psychedelischen 1970er Jahre und den Jugendstil erinnert, ist jedoch mitnichten reine Nostalgie. Stattdessen zieht euch der Trend in eine berauschende Mischung aus Alt und Neu.

„Die Ursprünge des ‚Psych Out‘ Trends liegen in der Neuinterpretation psychedelischer Musik und Dark Americana, die Bands wie ‚King Gizzard‘ oder ‚The Lizard Wizard’ mit ihrer Melange aus Jazz, Hardrock, Psychedelia und Folk Songs angestoßen haben“, so Molloy. „Hier kommen Elemente der 1970er Jahre mit modernen Herausforderungen wie dem Klimawandel, Künstlicher Intelligenz oder Automatisierung zusammen.“

„Psych Out“ ist ein tolles Beispiel dafür, dass Trends nicht isoliert existieren. Was musikalisch trendet, beeinflusst auch die visuelle Ästhetik. Viele Designer und kleine Unternehmen geben ihren Produkten ein mutiges, einzigartiges Design, das mit der dahinterliegenden Botschaft korrespondiert: Regionale Produktion oder Inhaltsstoffe und ein genereller Fokus auf Nachhaltigkeit verweisen mittels ursprünglichen, abgespacten Motiven darauf, dass die Zukunft in der lokalen – und umweltfreundlichen Herstellung liegt. Denn so verspielt „Psych Out“ wirken mag – der Trend ist eine klare Positionierung für Nachhaltigkeit und moralische Integrität.

Galerie: “Psych Out”

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Back to Bauhaus

Nüchterner, aber mit ebenso ausgeprägtem Fokus auf Tradition und Schlichtheit kommt der vierte Trend, „Back to Bauhaus“ daher. Klare Kompositionen, strenge Schatten und geometrische Formen sind auch im digitalen und 3D-Design noch immer stilprägend.

„Bauhaus ist die ästhetische Antwort auf die Industrialisierung“, erklärt Molloy. „Prägend ist die Rückbesinnung auf die manuelle Produktion, auf den Wert jedes einzelnen Dings. Gleichzeitig ist Bauhaus auch ein starkes politisches Statement: Statt sich den Forderungen des NS-Regimes zu beugen und jüdische Dozenten zu entlassen, hat das Bauhaus sich der Diktatur durch seine Schließung komplett entzogen.“

1919 gegründet, feierten das Bauhaus und seine weltweiten Fans 2019 das 100-jährige Jubiläum einer trotz – oder wegen? – ihrer Schließung noch immer prägenden Institution. Kein Wunder also, dass neue, Bauhaus-inspirierte Arbeiten aktuell Konjunktur haben. Die starken Kompositionen, die formalen Harmonien zwischen den inkorporierten Designelementen und die leuchtenden Primärfarben haben bis heute nichts von ihrer Aktualität eingebüßt. Auch 100 Jahre später ist Bauhaus noch immer eine Institution, die wir mit „Back to Bauhaus“ würdigen.

Galerie: “Back to Bauhaus”

Schaut euch gerne noch einmal alle unsere Adobe Stock Creative Trends 2021 im Überblick an.

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